Chronik der Musikgesellschaft Deitingen
Von 1887 dem Gründungsjahr der Musikgesellschaft Deitingen bis ins Jahr 1987 besteht eine sehr detailierte Chronologie.
1904 - 1909
1904
Gemeinsam mit dem kath. Männerverein und dem Cäcilienverein führt die Musikgesellschaft eine Abendunterhaltung durch. «Direktor Bauer war mit uns zufrieden». Doch schon 10 Tage später wird ein Antrag gestellt, den «Musikdirektor nicht mehr zu halten und am Kant, Musikfest in Solothurn nicht teilzunehmen», wegen Geldmangel. Der neue Direktor heisst Wilh. Fillinger, der dieses Amt «bei guter Ordnung» versehen will. Dann werden gleiche Sommerhüte gekauft und ein Ausmarsch nach Wangen – Herzogenbuchsee – Subingen unternommen. In den Monaten Mai und Juni sind noch einige Abendständchen vermerkt mit genauer Angabe der gespendeten Liter Bier.
1905
Vom Juli bis Oktober 1905 fehlen Angaben zum Geschehen in der Musikgesellschaft. In der Komitee-Sitzung vom November steht eine «Angelegenheit betreffend der Passivmitglieder» zur Behandlung. Sie wird eingeleitet mit der Bemerkung: «Die Musikgesellschaft hat sich vor Vereinigung mit der Gesellschaft CONCORDIA zirka 70 Passivmitglieder erworben». Eine seit langem angestrebte Bemühung ist also inzwischen Wirklichkeit geworden. Der Meinung, diese Passivmitglieder seien nun ihrer Verpflichtungen enthoben, wird mit der Überlegung entgegengetreten, diese hätten sich der «Musikgesellschaft Deitingen» verpflichtet, die jetzt mit gleichem Namen weiterbestehe, sich durch die Vereinigung nur vergrössert habe. Die Übungen werden festgelegt auf Dienstag und Donnerstag für etwa 2 Std. von 20.30 Uhr abends an und auf Sonntag um 12 Uhr bis Kirchenanfang. Diese Sonntagsprobe ist Anlass zu einem Entscheid der Versammlung, nachdem ein Mitglied die Bussen für verspäteten Besuch nicht bezahlen will. «Der Sachverhalt ist folgender: R.V. ist Coiffeur und muss als solcher bis mittags 12 Uhr die Kunden bedienen. Nach 12 Uhr kann er das Mittagessen einnehmen, und es ist ihm infolgedessen unmöglich, um die vorgeschriebene Zeit an der Übung zu erscheinen. Die Strafe würde sich also jeden Sonntag wiederholen». – In geheimer Abstimmung zeigen die Kollegen mit 14 gegen 4 Stimmen Verständnis.
1906
Infolge Ausschreitungen dieser und jener Art einiger Mitglieder» wird im April eine a.o. GV einberufen. Es ist halbsoschlimm: Mitglieder, welche Zeugnis einreichen «behufs vom Blasen sich zu dispensieren» müssen noch ein zweites Zeugnis vorlegen «von einem von der Gesellschaft bestimmten Doktor». Mit «dem Theater sei energisch vorwärtszufahren» und es «soll beim Appell Ruhe herrschen». Der Aktuar hat Chargebriefe an 3 austrittswillige Mitglieder wörtlich protokolliert, in denen sie an ihre Pflichten gemäss Statuten ermahnt werden. Dem Ansuchen des Herrn Pfarrers, am Weissen Sonntag die Kinder beim Pfarrhof abzuholen, wird entsprochen. Diese zur Tradition werdende Begleitung der Erstkommunikanten ist hier zum ersten Mal erwähnt. Im Hochsommer unternimmt die Musikgesellschaft eine Reise nach Neuenburg, woran die Kasse die Billettkosten bezahlt. Wer ohne genügende Begründung nicht teilnahm, dem wurde «die höchste Strafe» aufgebrummt.
1907
Die Aktiven hätten gerne das Musikfest in Olten besucht. Sie beschlossen die Teilnahme, widerriefen sie jedoch später «wegen Mangel an guten Bläsern». Im Herbst werden die Proben für mehr als drei Monate eingestellt. Ein Antrag, die Instrumente während dieser Zeit nach Hause nehmen zu dürfen, wird mit 13 gegen 4 Stimmen angenommen. Der Aktuar erstellt ein genaues Verzeichnis der Musikanten und ihrer Instrumente: 3 Es-Cornets, 3 B-Cornets, 3 Bügel, 3 B-Althörner, 1 B-Posaune, 4 Es-Althörner, 1 Es-Bass und 2 B-Bässe.
1908
Dieses Jahr fallen die Proben wiederholt für mehrere Wochen aus, so nach dem Theater im Februar, 2 Wochen während der Erntezeit, zwei Monate nach dem «Ausmarsch unter Mitnahme der Theatermädchen» auf den Bürgerstock und wegen Militärdienst.
1909
An der GV wird u.a. beschlossen, das Theater in Subingen zu besuchen «mit 2 Fr. Busse». Am Rande steht der wohl nachträglich gemachte Vermerk: «in Uniform». Sie wird hier erstmals erwähnt. Der Dirigent, einstimmig gewählt, wird jedoch schon bald darauf «ohne Austrittsgeld aus der Gesellschaft entlassen unter Vorbehalt von Verzichtung des Jahresgehaltes als Direktor von 1908 mit Fr. 30.–.» Für den Besuch des Interkantonalen Musikfestes in Brugg bereiten sie sich nicht nur in vielen Übungen sehr gut vor, sie erlassen auch genaue Bestimmungen über «das ordentliche Aufführen» der Mitglieder. Der Aktuar darf vermerken: «Alles verlief in bester Zufriedenheit und die Musikgesellschaft kehrte lorbeergeschmückt» heim. Die Gesellschaft tritt dem Kant. Musikverband bei. Die Kosten für Eintritt und Jahresgeld sollen aber die Mitglieder selber berappen. Neben einigen Ständchen im Dorf konzertiert die Musikgesellschaft auch beim Pontonierverein Wangen a/A und in Hubersdorf, hier für 30 Fr. und Unterhalt, da für 20 Fr. in die Kasse. Der neue Direktor Adolf Biberstein wird im Herbst an den Dirigentenkurs abgeordnet mit einem Taggeld von 4 Fr. Der Kirchenchor erhält die Theaterkulissen für 20 Fr. zur Verfügung gestellt.