Chronik der Musikgesellschaft Deitingen

Von 1887, dem Gründungsjahr der Musikgesellschaft Deitingen, bis ins Jahre 1986 besteht eine sehr detailierte Chronologie.

 

 

1910 - 1919

 

1910

Die Versammlung beschliesst, das Kant. Musikfest in Oberdorf zu besuchen und erteilt gleichzeitig dem Aktuar den Auftrag, mit Herrn Hirsbrunner «in Unterhaltung zu treten betreff Anschaffung neuer Instrumente». Wenige Tage darauf wird mit ihm ein Vertrag abgeschlossen, «dass er uns sämtliche alten Instrumente abkauft und wir die neuen Instrumente bestellen». Am 30. April steht dazu nur: «bekamen wir vom Hirsbrunner die neubestellten Instrumente». Vom Kant. Musikfest in Oberdorf kehrten sie «mit dem 3. Lorbeerkranz gekrönt» nach Deitingen zurück und wurden «mit Freuden empfangen». Die Herren Walter Grolimund und Ritschard hielten Ansprachen, «wo sie uns aufforderten, auf dieser Bahn fortzufahren und treu zusammenzuhalten, dann werde die Gesellschaft gedeihen und der Gemeinde Ehre bereiten». Beim Besuch des Konzertes der Musikgesellschaft Subingen erreicht kurz nach 12 Uhr ein Alarm unsere Musikanten aus Deitingen, es brenne daheim. «Nun ging es fast per Dampf nach Deitingen».

 

1911

Fast wäre ich versucht, die Frage nach «besonderen Vorkommnissen» in diesem Jahr mit «keine» zu beantworten. Grobgesehen mag das stimmen. Aber braucht es immer besondere Vorkommnisse im Geschehen eines Vereines? Das Besondere für diesen oder jenen Musikanten könnte vielleicht in folgenden Anlässen enthalten sein: bei den drei Theateraufführungen, den Besuchen in Subingen und Luterbach, beim Bummel nach Attiswil, beim Waldfest oder auf der eintägigen Reise; möglicherweise war es ein fröhlicher Hock, ein kameradschaftliches Gespräch, der Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit einem Mitmusikanten.

 

1912

Auch dieses Jahr lässt sich in den Protokollen an wie ein gewöhnliches. Bei der Versammlung vom 26. Mai wird vorerst der Besuch des Musikfestes in Matzendorf beschlossen und als zweites ist man sich einig, sobald als möglich eine Vereinsfahne anzuschaffen. Nun geht es Knall auf Fall: es ist ja das Jubiläum «25 Jahre Musikgesellschaft Deitingen» zu feiern! Herr Kurei legt Entwürfe vor, die Fahne wird bestellt und bereits am 4. Juli geliefert: «Übung, alles anwesend. Am gleichen Abend haben wir von Herrn Kurei unsere Vereinsfahne erhalten. Die ganze Gesellschaft war voller Freude, dass wir nun nach 25 Jahren endlich zum Ziele gekommen sind einen Fahnen anzukaufen. Dies haben wir aber alles der Bevölkerung von Deitingen und Musikfreunden von nah und fern zu verdanken. Auch wurde mit dem Handmehr beschlossen, Sonntag die Musikkäppi und Täschli anzulegen. Es haben 16 gestimmt: 12 ja und 4 nein.» Die Wahl des Vereinsfähnrich erfolgt geheim und für ihn werden eiligst noch Federn und Stulpen nachbestellt. Am Sonntag war jedoch Regenwetter und sie «mussten einen Bierwagen mieten und zwei Pferde, um uns von Balsthal nach Matzendorf führen zu lassen». «Das Fest in Matzendorf verlief sehr gut. Nur hätten uns die Kampfrichter besser beurteilen dürfen» meint der Aktuar. Die Fahnenweihe und das 25jährige Jubiläum wird am 21. Juli würdig begangen. Als Patensektion schenken die Musikgesellschaft Subingen und auch der Fahnengötti Walter Grolimund als Andenken einen schönen Vereinsbecher.

 

1913

Die Gesellschaft ist bestrebt, sich politisch neutral zu verhalten. Als ein Antrag gestellt wurde «dahingehend, es sei die Abendunterhaltung des freisinnigen Männerchores zu besuchen» wird er «ergänzt, auch an der Abendunterhaltung des Volksvereins in corpore teilzunehmen und angenommen». «Da sich jetzt eine zweite Musikgesellschaft gebildet hat, ...so sei ein neuer Paragraph in die Statuten aufzunehmen, ...dass ein Mitglied nicht zwei Musikgesellschaften angehören dürfe...». Die Busse beträgt 50 Fr. Dies ist das erste und einzige Mal, dass der Chronist von der Grütlimusik berichtet. Ende Februar «wurde der Aktuar beauftragt, sofort für Stoffmuster für Uniformen zu schreiben». Aus vier Bewerbern wird die Firma Helbling, Rapperswil, als Lieferant bestimmt. Satin-oder Tricothose? Diese Frage gab wiederholt zu reden. Die Hose wird durch monatliche Ratenzahlungen von 18 mal 1.20 Fr. Eigentum des Mitgliedes. Wer schon nach zwei Jahren austritt, hat 40 Fr. als Uniformentschädigung zu zahlen, nach 6 Jahren noch 20 Fr. Der Aktuar muss von Bussen «wegen ungebührlichem Benehmen» bei öffentlichen Auftritten berichten. Die Eintragungen für die letzten drei Monate fehlen. Der Aktuar hat gekündigt.

 

1914

Der neue Aktuar fährt weiter mit Eintragungen über Strafgelder, Androhung von Betreibungen, von Ausschlüssen, Bussen wegen schlechtem Betragen, sogar Betrunkenheit und Skandal. Stets sind es die Namen derselben Mitglieder, die genannt werden. Die Gesellschaft aber lebt und wirkt weiter. Sie besucht auswärtige Veranstaltungen, führt ein Waldfest durch, lässt sich an einem Fasnachtsessen gut bedienen und konzertiert am Sängertag und Bezirksschiessen. Über den Ausbruch des 1. Weltkrieges ist nichts vermerkt. Hingegen steht im Bericht über ein Konzert vom Spätherbst, dass «einige Mitglieder fehlen». Vielleicht eine Folge der Mobilmachung.

 

1915

Die Gesellschaft wird 1915 von verschiedenen Schwierigkeiten bedrängt: finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem Instrumentenlieferanten Hirsbrunner und eine Schuld bei der Kant. Bank veranlassen einen Haus-zu-Haus-Einzug. Wegen Militärdienst müssen die Proben von Mitte Februar bis Ende Juni eingestellt werden. Doch ist das Jahr sonst von ungebrochener Tätigkeit mit einigen Konzerten, dem Kegelt und einem Bummel erfüllt. Die wiederholt gerügte «schwache Beteiligung» an den Übungen rührte kaum daher, dass sich die Mitglieder im Militärdienst befunden haben, sonst würde nicht so eindringlich auf Appell und Bussen verwiesen.

 

1916

Nebst den üblichen Tätigkeiten, wie Konzert am Neujahr und zur Bundesfeier, der Begleitung der Kommunionkinder und Ständchen für zwei Hochzeiter, von denen sie «flott bewirtet» werden, sind eine Theateraufführung im Februar und ein Gabenkegelt im Juli, sowie ein Gartenfest und weitere gesellschaftliche Anlässe genannt. Auswärts ist die Teilnahme am Waldfest des Arbeiterbildungs-Vereines Zuchwil zu vermerken. Sehr erfreulich ist auch, dass die Musikgesellschaft die Anlässe anderer Dorfvereine, wie Männer- und Kirchenchor meist in corpore und oft «mit den Instrumenten» besucht, was heissen will, die Musikanten spielen dort noch zur Unterhaltung und wohl auch zum Tanze auf. – Mehrmals müssen die Proben für einen oder gar mehrere Monate ausfallen. Militärdienst?

 

1917

Die Gesellschaft zählt jetzt 23 aktive Mitglieder. Frühkonzerte um 04.00 Uhr scheinen beliebt zu sein. Auch dieses Jahr wird ein Theater aufgeführt, Hochzeitern, dem Fahnengötti und weiteren Einwohnern Ständchen gebracht, an Unterhaltungen anderer Dorfvereine wieder in corpore teilgenommen und ein Gabenkegelt durchgeführt. Es scheint, die finanzielle Lage bedrückt den Verein nicht mehr. Das Strafen- und Bussenwesen bleibt jedoch weiterhin lebendig.

 

1918

Obwohl dem Dirigenten am 20. Januar «10 Fr. am Gehalt aufgebessert wird», reicht er anfangs Dezember seine Demission ein. Als Nachfolger erklärte sich Theodor Fluri, Lehrer, bereit, «vorläufig die Sache zu übernehmen». Mangelnde Teilnahme an den Übungen und Austritte halten den Verein das ganze Jahr in Atem. An vier Mitglieder wird geschrieben, sie sollen «wieder an den Übungen teilnehmen oder den Austritt bezahlen» (25 Fr.). Von Ende Mai bis anfangs Dezember sind keine Daten für Proben mehr verzeichnet, was sonst sorgfältig geschieht. Erst am 2. Dezember steht im Protokoll: «Es wurde beschlossen, wieder regelmässig Übungen abzuhalten».

 

1919

Wie alle Jahre wieder: Neujahrskonzerte auf öffentlichen Plätzen des Dorfes, Besuche in den Nachbardörfern, u.a. in Subingen bei der Musikgesellschaft und dem Männerchor, ein zweitägiges Konzert, Begleitung der Kommunionkinder, Konzert anlässlich der Fahnenweihe des Jünglingsvereines, Waldfest unter eigener Regie, Ständchen für Verlobte und Hochzeiter im Schachen, Bundesfeierkonzert, Ausflug auf die Fridau mit Ross und Wagen, Kegelt mit Verkaufsständen, Konzert am Spieltag des Turnvereines. Also eine rege Vereinstätigkeit nach aussen. Intern: Theodor Fluri übernimmt die Direktion nun definitiv, Austritte und Eintritte, Rügen und Bussen wegen schlechtem Übungsbesuch. Doch immer wieder ist am Ende eines Bucheintrages zu lesen: «Alles verlief in bester Ruhe und Zufriedenheit».

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