Chronik der Musikgesellschaft Deitingen
Von 1887 dem Gründungsjahr der Musikgesellschaft Deitingen bis ins Jahr 1987 besteht eine sehr detailierte Chronologie.
1920 - 1929
1920
Die Berichterstattung über das Vereinsleben ist wahrscheinlich lückenhaft. Über Monate hinweg fehlen Eintragungen. Aber nicht nur die Arbeit des Chronisten zeigt Lücken, auch die Mehrheit der Mitglieder hat wieder einmal mahnende und aufmunternde Worte nötig. Diese gibt ihnen das Ehrenmitglied W. Grolimund an der GV: «der uns in kurzen aber markanten Worten das Vereinsleben, wie es eben sein sollte, schilderte und legte uns warm ans Herz, fest und treu zusammenzuhalten, denn nur mit Einigkeit und Treue und friedlichem Zusammenarbeiten gibt's ein Vorwärtskommen und Gedeihen der Gesellschaft». – Auch der Ausflug nach Herzogenbuchsee wird unternommen, «um die Mitglieder wieder zur neuen Arbeitsfreudigkeit zu ermuntern».
1921
Lehrer Fluri macht als Direktor weiter; auch der Präsident, der jedoch in seinem Amt mit nur 12 gegen 8 Stimmen bestätigt wird, – Einige kameradschaftliche Anlässe: Fasnachtsfahrt mit den Dragonern, Frühkonzert an Ostern, Ausmarsch am Weissen Sonntag über Horriwil nach dem «Sternen» in Kriegstetten mit «opulentem Zimmis», Antrinket auf der «Wilhelmshöhe», Austrinket in der «Bierhalle», Kegelt und Gartenfest im «Bahnhof-Restaurant», Begleitung der freisinnigen Partei zum Bezirkstag in Kriegstetten, Konzert an der Fahnenweihe der Hornusser-Gesellschaft Wangenried, Musikalischer Höhepunkt ist der Wasserämtische Musiktag in Kriegstetten. Die Musikgesellschaft erringt einen schönen Erfolg mit dem Wettstück «Triumphmarsch und Chor» aus Aida. Das Comite beschliesst, mit der Werbung von Passivmitgliedern soll möglichst rasch begonnen werden.
1922
In den Protokollen finden sich üblicherweise nur hin und wieder Hinweise auf das Zeitgeschehen. Der Aktuar vermerkt über «das wohlgelungene Winterkonzert» vom 18./19. Februar: «Der Besuch war trotz Krise recht befriedigend». Krise auch im Verein. An der GV vom Januar wird der Präsident Albert Kofmel trotz eindrücklichen Worten eines Mitgliedes über «gegenseitiges sich Verstehen und Nachgeben», mit nur 14 von 23 Stimmen gewählt. Er ist an den Differenzen mit dem Direktor zu massgeblich beteiligt. An einer Comitä-Sitzung macht er «Fluri solche Grobheiten, dass dieser die Sitzung verliess». Dem Präsidenten wird seine Demission nahegelegt. «Einen solchen Mann können wir nicht länger dulden an der Spitze unserer Gesellschaft». Ende Jahr erhält er ein Schreiben: «... und Sie sind unter heutigem Datum aus der Gesellschaft ausgeschlossen». Doch die Tätigkeit der Gesellschaft darf sich sehen lassen: sie besucht das Theater des Kath. Jünglingsvereines, hält ein wohlgeratenes Winterkonzert ab, bringt einige Ständchen und Platzkonzerte, macht einen Ausmarsch, tritt zu einem Früh- und einem Abendkonzert an, führt einen Saukegels mit Lebkuchenstand durch und bietet den Einwohnern am Silvester ein Konzert und ein Theater «mit schönem Erfolg». Am 8. Mai wird von der Gesellschaft der Antrag, am Musiktag in Balsthal teilzunehmen, mit «grosser Mehrheit angenommen». Vorausgegangen war eine «starke Diskussion, wobei die Finanzfrage den Hauptgegenstand bildete». Eine Woche später muss der Präsident an einer Übung bekannt geben, dass der Dirigent sich weigere, «mit uns am Musiktag in Balsthal teilzunehmen».
1923
Die Gesellschaft ist nun längere Zeit ohne Dirigent. Erst gegen Jahresende wird Tromp Wm Christen aus Derendingen die Direktion übernehmen. Nachwuchssorgen belasten das Comitä, «ein schwieriges Kapitel». Mit Anfängerkursen glaubt man einen Ausweg gefunden zu haben und jeder, «der einen neuen jungen Musikanten anwirbt, erhält 10 Fr. Prämie». Die Gesellschaft durchlebt ein ruhiges, gefreutes Jahr mit einem Familienabend und «Heimkehr frühmorgens, wenn die Hähne krähn», mit einem «höchst originellen Umzug an der Fasnacht», bei einem Waldfest «mit herrlichem Festwetter und prächtigem Verlauf», bei Konzerten und Ständchen im Baschi, im Schachen und auf der Wilhelmshöhe, bei einem Gabenkegelt mit Konzert und Lebkuchenstand und bei einem gemütlichen Hock. – Erstmals werden auch die anderen Dorfvereine zur Absprache der Aufführungsdaten eingeladen. Dabei wird auch vereinbart, «dass alle Vereine gemeinsam mit dem Wirt im «Kreuz» ein energisches Wort reden sollten betreffs seinem rabiaten Verhalten». Gegen Jahresende ernennt die Gesellschaft den scheidenden Dirigenten Theodor Fluri «mit freudiger Begeisterung» zum Ehrenmitglied. «Wir rufen ihm ein herzliches «Glückauf» zu im neuen Wirkungskreis».
1924
Der Verein startet zuversichltich ins kommende Jahr. An der GV können fünf neue Mitglieder aufgenommen werden. Im Februar gelangt «Die Tochter vom Arvenhof zur Aufführung, umrahmt mit einem Konzert, und am 17.2. verschönert die Musikgesellschaft die Installationsfeier des neuen Pfarrers Oskar Aebi. Einige Tage später erlebt der Verein «einen äusserst gemütlichen Abendsitz» bei Kässalat der Familie Marti, und der Familienabend mit der «besseren Hälfte» und den Theaterspielerinnen «ist ganz der Gemütlichkeit» vorbehalten. Disziplin zeigt sich bei den 11 Proben im April und im Juli. Der Festort Wangen a/A zur Teilnahme an der Fahnenweihe der Musikgesellschaft wird zu Fuss erreicht, ebenso das Stammlokal in Deitingen über die Hofuhren. Nach der Mithilfe beim Kegelt und Mattenfest im «Rössli» wird ein eigener Gabenkegelt mit Konzert und Lebkuchenstand durchgeführt. Am 26. Oktober besucht die Gesellschaft ihr langjähriges Mitglied Otto Dambach, das auf dem Allerheiligenberg zur Kur weilt. Eine Gruppe von acht Mann spielt beim Familienabend der freisinnigen Partei zum Tanze auf.
1925
Im Protokoll über die GV, verfasst vom neuen Aktuar E. Ritschard, steht: «keine unentschuldigte Absenz». Der Präsident wird überredet, im Amt zu bleiben. Da der Dirigent nicht mehr alle Proben besuchen kann, «er muss sich mehr seinem Geschäft widmen», stellt sich wieder die Frage, ein Mitglied aus den eigenen Reihen ausbilden zu lassen. Am 23. April war es endlich soweit. Das Comite befindet: «Unser Mitglied, Walter Felber, wurde zu diesem Amt als fähig betrachtet». Der Aktuar fährt fort: «Wir hoffen gerne, dass wir uns einen eifrigen Führer auserkoren haben». Und er war eifrig! 7 Übungen im Juni, 13 im Juli, 8 im August und 13 im September. Daneben die üblichen Tätigkeiten: Fasnachtsumzug, Begleitung der Erstkommunikanten, Platzkonzerte, Teilnahme am Waldfest des Männerchores und am Mattenfest beim «Rössli», Gestaltung der Bundesfeier mit Ansprache von Pfarrer Aebi, Durchführung des Saukegelt und als Krönung und sichtbarer Beweis der Anerkennung für die Tätigkeit der Musikgesellschaft: die Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern am 29. November! Das Konzert auf einem öffentlichen Platz des Dorfes in der Silvesternacht mag deshalb dankbar und zuversichtlich geklungen haben.
1926
Beim Lesen der Protokolle fallen jeweils einige Punkte besonders auf. Einmal ist es der gute Kontakt der Dorfvereine untereinander: Sie besuchen sich in corpore bei ihren Festen und sprechen die Daten ihrer Anlässe in gutem Einvernehmen ab. Zum andern wird auch der Kontakt mit den Musikgesellschaften der umliegenden Ortschaften gepflegt. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass die Musikgesellschaft Deitingen einen guten Ruf hatte, sonst wäre sie nicht so oft zur Mithilfe bei Vereinsfeierlichkeiten auch von auswärtigen Vereinen angegangen worden. Dabei sind wir heutigen Automobilisten erstaunt, dass der Verein diese Besuche in den Nachbardörfern zu Fuss unternahm. So führte der Ausmarsch am Auffahrtstag nach Wangen a/A – Wiedlisbach – Attiswil – mit der SNB nach Hinterriedholz und wieder zu Fuss über Luterbach nach Deitingen. Ebenso war der Besuch des Waldfestes der Musikgesellschaft Wangen a/A mit einem Ausmarsch verbunden: der Hinweg über die Hofuhren, der Heimweg über Ried. Auch beim herbstlichen Krankenbesuch eines Vereinsmitgliedes auf dem Allerheiligenberg wird der Aufstieg von Hägendorf zum Sanatorium zu Fuss bewältigt, und ebenso ging es per pedes über Langenbruck und Holderbank nach Balsthal zurück. Und immer mit den Instrumenten. – Jedesmal darf der Protokollführer berichten von «einem schönen Ausflug», von «bester Erinnerung», oder «ist jeder sehr fröhlich gestimmt», und «mit frohem Spiel erreichten wir das Dorf». Ende Januar geht das Theater «Läbig Schueh» über die Bühne bei überaus gutbesetztem Saal. An der GV wird Walter Felber mit einem «Entgelt» von 400 Fr. «einstimmig als Dirigent beibehalten». Otto Dambach löst Viktor Keller als Präsident ab.
1927
Doch nun harzt es wieder im Vereinsleben. Der Präsident kann nur mit Mühe überredet werden, das «Amt doch noch» für ein Jahr zu übernehmen. Der Dirigent lässt sich nur wieder wählen, wenn das Comite mit jenen, «die nur so pro forma» dabei sind ein ernstes Wort redet und «jedes Mitglied mit Ernst und Eifer» mitarbeitet. Auch die finanzielle Lage ist nicht erfreulich. An die Bürgergemeinde wird ein Gesuch um einen Beitrag von 300 Fr. gerichtet wegen «Neuanschaffungen von Instrumenten und Ausfall der Passivbeiträge pro 1926». Hingegen wird eine Reisekasse gegründet. Reiseziel ist für 1929 Bellinzona mit dem Eidg. Schützenfest. Der Dirigent hat strenge Monate: 11 Proben im März, 14 im April und 15 im Mai nebst 3 Platzkonzerten. Am 27. Juni reicht der Dirigent seine Demission ein wegen «Unordnung in der Busenkontrolle und Nichtbezahlung der rückständigen Busengelder und wegen dem Zusammenhang in der Gesellschaft». Der Präsident nimmt die Demission nicht an; er erachtet die Gründe nicht als «schwerwiegend». Der Vorstand schaltet sich ein und lädt drei Säumige zu einer Aussprache ein. Nur einer erscheint. Wiederholt berät nun der Vorstand, «was eigentlich bei den Verhältnissen, wie wir sie gegenwärtig in unserer Gesellschaft kennen, zu machen sei». Der Dirigent will nicht mehr. Einen Ausweg sieht der Vorstand darin, dass die Statuten von jedem neu angehört und unterschrieben werden müssen. Dabei trat «deutlich zu Tage, wer noch mitmachen will». Dem einen «passt es nicht» zu unterschreiben, dem andern sind die Spezialproben zu langweilig, zwei weitere stossen sich an der Bemerkung, sie seien «leide Bläser». Am Schluss fehlt jedoch nur eine einzige Unterschrift. Einmalig ist, dass gegen zwei Mitglieder Betreibung eingeleitet wird, und dass Vorladung vor den Amtsgerichtspräsidenten erfolgt wegen Nichtbezahlen der Austritte. Der Aktuar meint: «Wir haben uns sicher auch nicht gerne zu diesem kommen lassen, aber schliesslich galt es doch einmal zu sehen, wer im Recht ist».
1928
Für das Konzert mit Abendunterhaltung unter Mitwirkung des Jodlerklubs Herzogenbuchsee hält die Gesellschaft im Januar 19 Proben ab. An der GV wird ein neuer Präsident, Adolf Keller, gewählt und der Dirigent in seinem «mühevollen Amt» bestätigt. Trotzdem beharrt er Mitte Jahr auf seinem Rücktritt. Darauf reden die «alten Häupter» in «flotten Ansprachen» den Mitgliedern gut zu, und ja «die Musik nicht aufzugeben». Einer mahnt: «dass es wirklich bedauerlich wäre, wenn die Musikgesellschaft als ältester Verein im Dorf zerfallen sollte». Man soll die Worte, «die manchmal zu hart von unserem Dirigenten ausgesprochen werden, nicht so stark zu Herzen nehmen». Die Veteranen haben Erfolg, werden sogar wieder aktiv und ihrer Wiederaufnahme wird «mit Freuden zugestimmt».
1929
Das Jahr beginnt mit Konzert und Unterhaltung durch ein auswärtiges Komikerduett und 13 Proben im Januar. «Dem Dirigenten und jedem Einzelnen» gilt der «besondere Dank». Ein vielversprechender Beginn, könnte man meinen, Doch an der GV kommt der erste Donnerschlag dieses Jahres: der Präsident demissioniert. Nachfolger wird Johann Hubler. Thema der GV ist «die Hauptfrage, ob der Verein noch weiterbestehen soll». Der Dirigent meint: «wenn nicht Zuwachs komme, es keinen Sinn hat weiterzumachen». Auch soll die Gemeinde um mehr finanzielle Unterstützung angegangen werden, statt 300 neu 500 Fr. Die Gesellschaft setzt ihre gewohnte Tätigkeit fort mit Übungen, Ständchen und Konzerten. Dazwischen aber verhandelt das Comite an einer Sondersitzung über den Dirigenten «wegen Auswurf von groben Worten gegen die einzelnen Mitglieder». Mitte August wird das Geld, das bisher 14tägig in eine Reisekasse einbezahlt wurde, an die Mitglieder zurückgegeben. Die vorgesehene Reise nach Bellinzona zum Eidg. Schützenfest fand nicht statt. Und bei einer Versammlung kommt erneut als Hauptfrage zur Besprechung, «ob die Gesellschaft mit den noch 14 bestehenden Mitgliedern» weiterfahren will oder nicht. «Dirigent Felber gibt die Lösung: die Proben ungefähr ein Jahr einzustellen und während dieser Zeit einen Anfängerkurs durchzuführen, womit die Mitglieder sich einverstanden erklärten.» Der Bestand der Gesellschaft ist jedoch nie in Frage gestellt, alle Mitglieder sagen zu, nachträglich wieder mitzuhelfen und ordnen die Abzahlung einer Schuld von 100 Fr. bei der Kant. Bank an. Schon Ende November tritt die Gesellschaft wieder zusammen und behandelt «als Hauptfrage die Anschaffung von neuen Instrumenten. Es wird ausgeführt, dass auf Ostern die Glockeneinweihung sei, wo wahrscheinlich die Gesellschaft konzertieren muss. Darauf bedacht, entschloss sich die Versammlung, ein Gesuch an die Einwohner- und Bürgergemeinde zu richten, zur Mithilfe an der Zahlung der Instrumentierung von je einem Drittel der sämtlichen Kosten».