Chronik der Musikgesellschaft Deitingen

Von 1887, dem Gründungsjahr der Musikgesellschaft Deitingen, bis ins Jahre 1986 besteht eine sehr detailierte Chronologie.

 

 

1940 - 1949

1940

Der Krieg und «die allgemeine Lage» bestimmen das Leben auch in den Vereinen. An der GV begrüsst der Präsident «ganz speziell die im Wehrkleid erschienenen Mitglieder». Von 27 sind 23 anwesend, 4 erhielten keinen Urlaub. Von sich aus beschliesst die Musikgesellschaft, den Gemeindebeitrag um 1/3 zu kürzen und nur 300 Fr. zu beanspruchen, «um die Gemeinde von ihren finaziellen Sorgen etwas zu entlasten». Weiter bewilligt die GV 20 Fr. an die Schweiz. Nationalspende. Aus den Dankesworten eines Mitgliedes geht auch hervor, dass die Musikgesellschaft den im Aktivdienst gestandenen Wehrmännern ein «Weihnachtspäckli» geschickt hat. Die zweite Mobilmachung vom 2. Mai legt den erst wieder aufgenommenen Vereinsbetrieb erneut vollständig lahm. Ab Mitte Juli wird wieder geübt, jedoch nicht mehr im Schulhaus. Es ist mit französischen Internierten belegt. An der Bundesfeier erscheint die Musikgesellschaft in Uniform und am Sonntag darauf bringt sie den Internierten ein Standkonzert. Der Verein ist bemüht, die Proben nach Möglichkeit beizubehalten und angesichts der Zeit «herrscht die Meinung, diesen Winter von irgend einem Anlass abzusehen». Gemeint sind wohl Abendanlässe und Theater.

 

1941

Der Präsident lobt den «trotzdem ziemlich guten Proben-besuch». Wenn Walter Felber, jetzt 30 Jahre Mitglied, durch Militärdienst verhindert ist, übernimmt sein Vorgänger Lehrer Theodor Fluri in «verdankenswerter Weise» dieses Amt. Eines fällt auf: dieses Jahr sind es gleich 5 Mitglieder, denen zur bevorstehenden Heirat ein «Verlobungsständchen» gebracht wird. Einem Bräutigam wird mitgeteilt, «dass die Spende eines Fasses Bier zu unterlassen sei, da wir nach dem Ständchen infolge Verdunkelung nach Hause wollen». Leider muss der Präsident Otto Stephan seine Demission einreichen. Es ist ihm wegen Schichtarbeit nicht mehr möglich, genügend teilzunehmen. Sein Nachfolger heisst Jean Galli.

 

1942

Das Winterkonzert wird wieder mit einem Theater bereichert. «Der Letzte vom Mattenhof» wird mit «schönem Erfolg» aufgeführt. Die Demission des Dirigenten Walter Felber traf die GV «wie ein Blitz aus heiterem Himmel». Die damals gemachten Überlegungen sind es wert, festgehalten zu werden: «...wohl mancher Musikant musste im Innern bekennen, durch unpünktlichen Probenbesuch, durch Probenfehlen, durch Nichtüben und anderes mehr, zu diesem Schritt hauptsächlich selbst beigeholfen zu haben.» Es wird angeregt, «dass in Zukunft durch ein Mitglied Spezialproben durchgeführt werden sollen, um die Direktion zu entlasten....., dass nur Üben und wieder Üben zum Erfolg führen werde, und dass jeder aus Freude zur Musik und aus Sympathie zu unserem Dirigenten es sich zur Pflicht machen solle, tagtäglich etwas zu üben». – Der Demissionär lässt sich bewegen und «will uns Zeit geben, uns nach einem Ersatz umzusehen». Die Bürgergemeinde begeht ein Fest: «100 Jahre Bürgerwald». Die Musikgesellschaft ist eingeladen und wirkt gerne mit

 

1943

Das Völkerringen rings um unser Land» dauert an. Der Einfluss des Militärdienstes auf den Probenbesuch scheint nicht mehr gross zu sein, eher wird die Schichtarbeit zum Problem. Der Vorstand beschliesst, die Mütze des Präsidenten mit 3 Galons und diejenige des Vizepräsidenten mit 2 Galons zu schmücken. Mit dem Einzug von Zuckermarken aus der Lebensmittelkarte wird begonnen, damit am Gartenfest ein Lebkuchenstand eröffnet werden kann. In Solothurn findet ein Kant. patriotischer Musiktag statt, mit «mächtigem Aufmarsch der Gesellschaften». Am 21. September fasst die Versammlung folgenden Beschluss: «Jedem Einwohner und jeder Einwohnerin von Deitingen, welche den 70. oder den 80. oder sogar den 90. Geburtstag feiert, wird unentgeltlich ein Ständchen gebracht». – Diese freiwillige Geste der Anteilnahme am Leben der Mitbürger wird heute noch ausgeführt. Der Krieg zeigt noch immer sein hartes Gesicht. In Deitingen leben weiterhin viele Internierte. Die Musikgesellschaft spendet ihnen für die Weihnachtsfeier 20 Fr.

 

1944

Am 18. April legt die Musikgesellschaft einen Instrumentenfonds mit einer ersten Einlage von 500 Fr. an. Sie will auch ein Foto des Vereines machen. Am 20. Oktober bringt sie an Elis Keller ein Ständchen zum 70. Geburtstag. «Es war dies das erste Frauenzimmer, wo wir ein Geburtstagsständchen darbrachten».

 

1945

Die Musikgesellschaft ist jetzt auf 35 Aktivmitglieder angewachsen, was wohl in erster Linie dem tüchtigen und einsatzfreudigen Dirigenten Walter Felber zu verdanken ist. Er kann auf 35 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken, wovon 20 Jahre als Dirigent. Die Musikgesellschaft freut sich mit ihm, ehrt ihn an der GV und bringt ihm ein Geburtstagsständchen an seinem Wohnort Solothurn. Auch das Kinderheim St. Ursula feiert, Zu seinem 50jährigen Bestehen bringt die Musikgesellschaft auch ihm ein Ständchen. Am Ausflug mit den Frauen nach Ersigen nehmen 53 Personen teil. Sie freuen sich am guten Mittagessen und pflegen die Kameradschaft.

 

1946

Im Frühjahr beschliesst die Versammlung mit 18 gegen 8 Stimmen, eine Tombola für eine Neuinstrumentierung durchzuführen. Ein Organisations-Komité mit Aussenstehenden wird gegründet, Ende Mai werden den Mitgliedern die Lose zum Verkauf abgegeben. Geeignete Anlässe hiezu sind die Musiktage in Kriegstetten, Flumenthal und Lohn. Den Besuch dieser Anlässe begründet der Aktuar unumwunden mit folgenden Worten: «Dort war unser grösstes Interesse, die Tombolalose abzusetzen, wo uns auch unsere Theaterfräulein zur Seite standen». Ende August sind die Lose verkauft und die Ziehung kann unter Aufsicht des Oberamtmanns, des Einwohner- und Bürgerammanns sowie der Polizei vorgenommen werden. – Über das finanzielle Ergebnis ist nichts zu erfahren. Auf Jahresende muss die Musikgesellschaft leider vom unwiderruflichen Rücktritt des Dirigenten Kenntnis nehmen.

 

1947

Die Nachfolge für Walter Felber, der zum Ehrendirektor ernannt wird, bereitet Mühe. Die Stelle wird ausgeschrieben und mit zwei Herren werden Probelektionen gehalten. Doch zeigt sich eine andere willkommene Lösung: der Sohn des Demissionärs, Fritz Felber, gibt seine Zusage. Am 27. Februar hält Walter Felber seine letzte Probe «wo er noch ergreifende Worte an die Mitglieder richtet». Eine Woche darauf findet die erste Probe mit seinem Sohn und Nachfolger statt. Die Versammlung findet es an der Zeit, die Entgelte neu festzusetzen: 80 Fr. für Nachmittage, 100 Fr. für Nachmittag und Abend, nebst Unterhalt. Die zweitägige Reise an den Luganersee bleibt «eine von den schönsten Erinnerungen». Die zweite Hälfte des Jahres liegt ganz im Banne der neuen Uniformen. Sorgfältig wird jedes Detail beraten und bestimmt. Lieferant der Uniform ist Helbling, die Hemden liefert Urs Moser.

 

1948

Der Bericht von der GV zeigt für das Jahr 1947 ein erfreuliches Vereinsleben, werden doch 8 Mitglieder für 98% bis 100%igen Probenbesuch mit einem Löffeli geehrt. Am 11. März kann die schmucke Uniform in Empfang genommen werden. Am Weissen Sonntag wird sie erstmals getragen. «Mit einem rassigen Marsch marschierten wir dem Schulhaus zu, wo uns ein grosser Teil der Dorfbewohner mit Neugierde und Begeisterung empfing. Alsdann begleiteten wir die Erstkommunikanten in die Kirche». Nach der kirchlichen Feier bietet die Musikgesellschaft noch ein Konzert. Am Bundesfeiertag kann endlich nach zweimaliger Verschiebung die neue Uniform eingeweiht werden. Bundesfeiertag, Uniformenweihe und Waldfest verbinden sich. Am Vorabend konzertiert die Musikgesellschaft Derendingen und eine Tanzkapelle spielt mit «voller Gemütlichkeit und gutem Erfolg». Am Sonntag ist schönstes Wetter. Sechs weissgekleidete Ehrendamen heissen die Musikgesellschaften Subingen, Flumenthal und Walliswil-Wangen mit einem Trunk willkommen. Zur Fahnenweihe hält der Präsident Otto Stephani die Festrede. Am Abend ist Bundesfeier auf dem Festplatz. Kein Wunder, dass der Anlass «mit Erfolg gekrönt» ist.

 

1949

An der GV sind 35 der 36 Mitglieder anwesend und wieder können 6 für 99% bis 100%igen Probenbesuch geehrt werden. Zwei erfreuliche Feststellungen. Am 8. Mai konzertiert die Musikgesellschaft auf «allen Plätzen des Dorfes» zum Muttertag. Die Anregung dazu erging vom Eidg. Musikverband Ende Mai spielt die Musikgesellschaft bei der Jubiläumsfeier der «Harmonie» Biberist und überreicht ihr als befreundete Gesellschaft einen grossen Aschenbecher mit Lyra. Grossen Erfolg beim Publikum hat sie mit der Aufführung von Verdis Ouvertüre zu Nabucco. Leider kehren sie infolge «heftigen Platschregens» mit durchnässten Uniformen zurück. Am 14. November wird das Gründungsmitglied Josef Niggli Werder beerdigt und nur drei Tage danach tragen die Musikanten ihren langjährigen ehemaligen Vereins-Präsidenten und Präsidenten des Wasserämtischen Musikverbandes Otto Stephani zu Grabe, mit mächtigem Leichenzug. Der Aktuar ehrt ihn «als wertvolles und aufrichtiges Mitglied», als «senkrechten und rühmenswerten Ehrenmann». Seit dem Vorweihnachtstag hängt die fertig erstellte und gerahmte Vereinsfoto im Stammlokal. Am Silvester und Neujahr wird ein bunter Abend mit Konzert geboten, ohne Theater, «...denn schliesslich sind wir eine Musik und keine Theatergruppe».

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