Chronik der Musikgesellschaft Deitingen

Von 1887, dem Gründungsjahr der Musikgesellschaft Deitingen, bis ins Jahre 1986 besteht eine sehr detailierte Chronologie.

 

 

1950 - 1959

1950

Wieder ein gewöhnliches Jahr. «nichts Besonderes». Darf Ihnen gezeigt werden, was dies für die Für einen Aussenstehenden einmal in nüchterner Tabelle Mitglieder bedeutet?

 

Monat Konzert Ständchen Proben Vorstand auswärts
Januar 1   4 1  
Februar 1 1 6 1  
März 1 2 8    
April 1 2 5 1  
Mai 1 1 13 1  
Juni 2   7 1 1
Juli 2 4 6 1  
August     3 1 1
September   2 7 1 1
Oktober 2   6 1  
November     5 1  
Dezember     8 1  

 

Eben, ein gewöhnliches Jahr mit keinem vermehrten Proben-aufwand für ein Spezialkonzert oder ein Musikfest. Dabei ist in dieser Tabelle nicht vermerkt: die GV, der Fasnachtsmatch FCD gegen MGD, der Besuch eines Mitgliedes auf dem Allerheiligenberg, die Begleitung der Erstkommunikanten, die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und der Bundesfeier, auch nicht eine Fahrt ins Blaue.

 

1951

Die Musikgesellschaft Deitingen hat für den 17./18. Juli die Organisation des 17. Wasserämtischen Musiktages übernommen. Wieder können aus der Reihe der Aussenstehenden die drei bei der Neuuniformierung mit den Ämtern des Präsidenten, Aktuars und Kassiers bedachten Männer für die gleiche Aufgabe im OK gewonnen werden. Am Samstag wird der Festplatz eingeweiht mit Darbietungen aller Ortsvereine. Der Sonntag zeigt nicht gerade seine beste Wetterseite. Die für den Marschmusikwettbewerb vorgesehene Wegstrecke ist mit Blumengirlanden geschmückt und bietet den «reinsten Blumenzauber». Folgende Anlässe werden durchgeführt: Marschmusikwettbewerb, Gesamtchor der 12 anwesenden Gesellschaften, Einzelvorträge, Veteranenehrung und Festrede von OK-Präsident Willi Kummli. «Die anwesende Bevölkerung spendete allgemeine Aufmerksamkeit und grossen Beifall». Am Abend ist gemütliche Unterhaltung und Tanz. –Das OK «hatte alles bis auf die kleinste Angelegenheit gut organisiert und durchgearbeitet». Der Tag wird «in tiefer Erinnerung bleiben»

 

1952

In Paragraph 12 der Statuten ist vorgesehen, dass ein Ehrenmitglied, das in Deitingen wohnt aber in einer anderen Musikgesellschaft spielt, während dieser Zeit die Ehrenmitgliedschaft verliert. Diese Massnahme soll nun einem Ehrenmitglied schriftlich mitgeteilt werden. Sie löst in der Gesellschaft eine heftige Diskussion aus. An einer Vorstandssitzung stellt der Präsident fest, dass die häufigen Platzkonzerte zu einer empfindlichen Störung der Proben geworden sind. Hingegen wird das zweitägige Waldfest mit der Bemerkung versehen: «Der Anlass war dazu angetan, bei der Bevölkerung für unsere Volksmusik zu werben, und auch unserer Kasse einen ordentlichen Zuschuss zu geben». Von der dreitägigen Italienreise wird nur das schöne Wetter festgehalten

 

1953

Der Dirigent ist neben dem Präsidenten der wichtigste Mann einer Musikgesellschaft. Sein Können, seine Person, sein Umgang bei heiklen Situationen, sein Verhalten bei den Proben sind oft von entscheidender Bedeutung für den Geist, für die Kameradschaft und den musikalischen Stand einer Musikgesellschaft. Seine Geduld wird an den Proben oft auf die Probe gestellt. Es sei deshalb erlaubt, dem gegenwärtig amtierenden Dirigenten Fritz Felber einige Zeilen zu widmen. Schon sein Vater, Walter Felber, war Mitglied der Musikgesellschaft Deitingen und 21 Jahre ihr tüchtiger Direktor. Fritz Felber hielt am 4. März 1947 seine erste Probe mit der Musikgesellschaft Deitingen. Über ihn und sein Wirken seien folgende Niederschriften aus dem Protokoll des Jahres 1953 angeführt: 10, Januar. Winterkonzert: Unter der bewährten vorzüglichen Leitung unseres Dirigenten brachten wir Kompositionen zur Darbietung, die uns nicht nur den Beifall unseres Laienpublikums, sondern auch eine gute Kritik der anwesenden Musikkenner einbrachten. 7. Februar. GV: Der Präsident verdankt dem Dirigenten mit einigen wohlverdienten Worten der Anerkennung seine Stabführung im verflossenen Jahr. Er wird durch Erheben von den Sitzen für ein weiteres Jahr wieder gewählt. Der Dirigent verdankt seine Wiederwahl. Er erklärt aber auch, der Probenbesuch sollte unbedingt besser sein: seit die Bussen abgeschafft seien, wäre es noch schlimmer. 7. Juni: Wasserämter Musiktag in Etziken: Vor allem die gute Stabführung unseres Dirigenten wurde gerühmt. 31. August: Uniformeneinweihung in Inkwil: Unser Konzert wurde mit grossem Beifall aufgenommen und wir durften erfahren, dass unsere Gesellschaft unter der bewährten Stabführung von Fritz Felber ständig Fortschritte macht.

 

1954

Schon Ende 1953 wurden Wünsche für eine neue Fahne laut. Verhandlungen mit der Fahnenstickerei Siegrist in Langenthal werden getätigt und die Firma unterbreitet drei Entwürfe. Der Auftrag wird beschlossen. Die neue Fahne wird 1450 Fr. kosten. An der GV wird das Datum für die Fahnenweihe auf den 26./27. Juni festgelegt. Ein Waldfest soll mithelfen, möglichst viel Miteinwohner am Feste teilnehmen zu lassen. Das ehrenvolle Amt des Fahnengötti übernimmt Hans Neuhaus, Gemeindeammann, als Fahnengotte sagt Frau Anna Biberstein zu. Die Festrede hält Kantonsrat Urs Galli. Die Konzerte des Vorabends bestreitet die Musikgesellschaft Wangen a/A und eine Tanzkapelle. Es ist ein schöner Abend und ebensolcher Besuch. Am Festtag wird das Erscheinen der Patensektion Subingen mit viel Beifall bedacht. Am Festzug und an musikalischen Darbietungen beteiligten sich die Musikgesellschaften aus Etziken, Inkwil, Luterbach und Zuchwil. Kaum ist der Festakt vollendet, fängt es an zu regnen und «alles strömte dem Dorfe zu». Nur noch einige Wetterfeste blieben um aufzuräumen. Der Aktuar fährt fort: «Wir wollen zufrieden sein und allen Gönnern, die uns zu unserem schönen Banner verholfen haben, herzlich danken».

 

1955

Die Musikgesellschaft hat dieses Jahr 40 Mitglieder. Es ist ihr daran gelegen, dass alle eine gute Uniform tragen können. Sie lässt vier alte anpassen und bestellt vier neue. Notwendig ist eine Neuinstrumentierung. Ein solches Vorhaben beschäftigt jede Musikgesellschaft während Monaten und versetzt die Mitglieder in erwartungsvolle Spannung. Ein Komitee lässt sich von drei Lieferanten die Angebote vorführen. An einer a.o. Versammlung werden diese Instrumente vorgestellt, der Vorschlag des Komitees bekanntgegeben und vom Gremium die endgültigen Entscheide getroffen. Für die kleinen Instrumente, wie Bügel und Trompeten, wird die Burgdorfer Firma Spada als Lieferant bestimmt; zur Lieferung der grossen Instrumente, wie Hörner, Posaunen und Bässe, erhält die Firma Krebs aus Biel den Auftrag. Der Voranschlag für die 34 Instrumente beläuft sich auf 18000 Fr. Einige Mitglieder möchten noch mehr bestellen. Die besten zehn der alten Instrumente werden für die Jungbläser zurückbehalten, die restlichen von den Lieferfirmen übernommen und verrechnet. Am 20. Dezember können die Bügelisten und Trompeter ihre neuen Instrumente in Empfang nehmen. Die Finanzierung bereitet etwelche Sorgen. Gönnerbriefe an Private werden verschickt. Ein Vorschlag möchte bei möglichen Interessenten 250 Inhaberaktien zu 20 Fr. beliebt machen. Die Musikgesellschaft erhält überreichlich Einladungen zu Tagungen und auswärtigen Vereinsanlässen. Die Zu- oder Absage ist manchmal nicht leicht.

 

1956

Am 2. Februar können die Hornisten und Bassisten die neuen Instrumente ansetzten. Die nachträglich und zusätzlich bestellten Trompeten und Flügelhörner können auch in Empfang genommen werden. Die Frage der Finanzierung ist nicht gelöst. Wieder wird der Verkauf von Anteilscheinen beraten. Weitere Gönnerbriefe werden verschickt. Die Versammlung beschliesst mit 21 zu 3 Stimmen, am Eidg. Musikfest in Zürich 1957 teilzunehmen.

 

1957

Die Teilnahme an einem Eidgenössischen Musikfest ist für einen Dorfverein ein ausserordentliches Fest. Deshalb sei hier diesem Anlass Raum gegeben. Der Chronist berichtet folgendes: «Mit klingendem Spiel, zuversichtlich und frohen Mutes, marschierten wir am Morgen früh vom Schulhaus auf den Bahnhof. Wie die Schüler am Examenstage ins Schulhaus, um ihr Erlerntes den Besuchern zu zeigen und das Zeugnis, die Noten, in Empfang zu nehmen, so zogen wir nach Zürich, um das in vielen Freistunden Erlernte den Festbesuchern zu Gehör zu bringen und die Noten in Empfang zu nehmen. Und wie bei den Schülern tauchte auch bei uns Musikanten ein klein wenig die Examensangst auf. In Zürich angelangt wurden wir von einem Führer in Empfang genommen und zum Probelokal ins Konservatorium geführt. Hier nahmen wir die letzten Instruktionen von unserem Dirigenten entgegen. 11.11 Uhr traten wir zum Wettspiel an. Mit dem Bewusstsein, eine rechte Leistung vollbracht zu haben, zogen wir in die Festhalle zum gemeinsamen Mittagessen. 14.40 Uhr traten wir zur Marschmusikkonkurrenz auf der Hohlstrasse an. Wie wir aus der Zuschauermenge entnehmen konnten, hatten wir auch hier einen recht guten Eindruck hinterlassen. Aufatmend, da nun die grösste Arbeit in Zürich hinter uns war, traten wir zu einer Gesamtphoto an. Nun waren wir bis zum Nachtessen frei. 19.45 Uhr absolvierten wir noch ein Marschmusikkonzert vor der Kaserne, das uns mit grossem Applaus quittiert wurde. Mit einem Schiff machten wir anschliessend eine Rundfahrt auf dem Zürichsee, wo wir eine gemütliche Stunde miteinander verbrachten. Am Sonntagmorgen, nach dem gemeinsamen Morgenessen, hatten wir Gelegenheit, das Können anderer Musikgesellschaften anzuhören. 16.00 Uhr waren die Gesamtaufführungen auf dem Sihlhölzli und anschliessend die Rangverkündigung. Eine grosse Freude und Überraschung war es für die Musikanten, als der Fähnrich mit der goldlorbeer-geschmückten Fahne zu uns zurückkehrte. Gar mancher konnte die Freudentränen nicht zurückhalten. Das war der Lohn für viele aufopfernde Probenstunden. Nun konnten wir mit Stolz in unser Dorf zurückkehren. Vorzüglich in allen Disziplinen, eine bessere Auszeichnung hätten wir in Zürich nicht erreichen können. Eine zweite grosse Überraschung erreichte uns Musikanten am Bahnhof in Deitingen. Fast die ganze Dorfbevölkerung stand am Bahnhof zum Empfang ihrer Musikanten. Mit Kanonenschüssen wurde angezeigt, dass wir in Deitingen angekommen waren. Sämtliche Banner unserer Dorfvereine sowie das der Musikgesellschaft Subingen begrüssten unsere kranzgeschmückte Fahne. Unser Dirigent, dem wohl unser Erfolg in Zürich zu verdanken war, wurde mit Blumensträussen beehrt. Die Dorfbevölkerung bereitete uns Musikanten einen Empfang, den wir in unserem Leben bestimmt nie vergessen werden. Mit einem Umzug durchs Dorf gings unserem Lokal, dem Restaurant zum «Kreuz» zu, wo unser grosser Erfolg noch gebührend gefeiert wurde. Gar manches Glückwunschtelegramm, sowie Spenden und Geschenke konnten noch bekannt gegeben werden».

 

1958

Josef Biberstein wird nach 12 Jahren im Amt als Präsident ersetzt durch Walter Galli. Die Timpani sind eingetroffen und die nichtversilberten Instrumente werden durch die Firma Krebs nachversilbert. Nachdem letztes Jahr die Einwohnergemeinde das neue Schulhaus Zweien mit einem Dorffest eingeweiht hatte, wobei die Musikgesellschaft im festlichen Umzug mit Marschmusik den Takt angab, kann dieses Jahr die Bürgergemeinde ihr neues Waldhaus einweihen. Wenig erfreut sind die Musikanten, dass sie das bisherige Übungslokal nicht mehr benützen können, denn das alte Schulhaus wird total renoviert. Die Proben finden nun im «Kreuz» statt.

 

1959

Im Jahr 1960 wird in Derendingen das Kantonale Musikfest abgehalten. Man könnte meinen, die Teilnahme sei schon in Hinsicht auf die Nachbarschaft und nach dem ausgezeichneten Abschneiden in Zürich eine Selbstverständlichkeit. Auf jedes Hoch folgt früher oder später ein Tief. Schon im Frühjahr wird im Vorstand der Probenbesuch bemängelt und mehr Abwechslung verlangt. Im Herbst wird das belastende Thema an einer ausserordentlichen Versammlung nochmals ausgiebig besprochen: es sei keine Kameradschaft mehr, das ausgewählte Stück sei zu schwer, deshalb sei vermehrtes Üben nötig und die Proben sollten abwechslungsreicher sein. Der Besuch des Kantonalen wird beschlossen. Doch nach einem Monat will der Dirigent «nichts mit dem Kantonalen Musikfest zu tun haben. Denn mit einem solchen Probenbesuch sei es eine Schande». – Mit den Fernbleibern wird gesprochen. Mit Erfolg, wie sich später zeigt. Die Vereine können nun ihre Anlässe in der Turnhalle durchführen und auch in eigener Regie wirten. Der Bau der Kücheneinrichtung gibt auch in der Musikgesellschaft zu reden, denn im Oktober wird in der Turnhalle die Kantonale Delegiertenversammlung abgehalten. Die Küche muss unbedingt betriebsbereit sein. Alles «läuft organisatorisch einwandfrei ab». Der Küchenchef erhält ungeteiltes Lob. – Eine Woche nachher umrahmt die Musikgesellschaft die Fahnenweihe des kath. Kirchenchores am Nachmittag mit Marschmusik und am Abend mit einem gediegenen Konzert. 

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