1950
Wieder ein gewöhnliches Jahr. «nichts Besonderes». Darf Ihnen gezeigt werden, was dies für die Für einen Aussenstehenden einmal in nüchterner Tabelle Mitglieder bedeutet?
| Monat |
Konzert |
Ständchen |
Proben |
Vorstand |
auswärts |
| Januar |
1 |
|
4 |
1 |
|
| Februar |
1 |
1 |
6 |
1 |
|
| März |
1 |
2 |
8 |
|
|
| April |
1 |
2 |
5 |
1 |
|
| Mai |
1 |
1 |
13 |
1 |
|
| Juni |
2 |
|
7 |
1 |
1 |
| Juli |
2 |
4 |
6 |
1 |
|
| August |
|
|
3 |
1 |
1 |
| September |
|
2 |
7 |
1 |
1 |
| Oktober |
2 |
|
6 |
1 |
|
| November |
|
|
5 |
1 |
|
| Dezember |
|
|
8 |
1 |
|
Eben, ein gewöhnliches Jahr mit keinem vermehrten Proben-aufwand für ein Spezialkonzert oder ein Musikfest. Dabei ist in dieser Tabelle nicht vermerkt: die GV, der Fasnachtsmatch FCD gegen MGD, der Besuch eines Mitgliedes auf dem Allerheiligenberg, die Begleitung der Erstkommunikanten, die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und der Bundesfeier, auch nicht eine Fahrt ins Blaue.
1951
Die Musikgesellschaft Deitingen hat für den 17./18. Juli die
Organisation des 17. Wasserämtischen Musiktages übernommen. Wieder
können aus der Reihe der Aussenstehenden die drei bei der
Neuuniformierung mit den Ämtern des Präsidenten, Aktuars und Kassiers
bedachten Männer für die gleiche Aufgabe im OK gewonnen werden. Am
Samstag wird der Festplatz eingeweiht mit Darbietungen aller
Ortsvereine. Der Sonntag zeigt nicht gerade seine beste Wetterseite. Die
für den Marschmusikwettbewerb vorgesehene Wegstrecke ist mit
Blumengirlanden geschmückt und bietet den «reinsten Blumenzauber».
Folgende Anlässe werden durchgeführt: Marschmusikwettbewerb, Gesamtchor
der 12 anwesenden Gesellschaften, Einzelvorträge, Veteranenehrung und
Festrede von OK-Präsident Willi Kummli. «Die anwesende Bevölkerung
spendete allgemeine Aufmerksamkeit und grossen Beifall». Am Abend ist
gemütliche Unterhaltung und Tanz. –Das OK «hatte alles bis auf die
kleinste Angelegenheit gut organisiert und durchgearbeitet». Der Tag
wird «in tiefer Erinnerung bleiben»
1952
In Paragraph 12 der
Statuten ist vorgesehen, dass ein Ehrenmitglied, das in Deitingen wohnt
aber in einer anderen Musikgesellschaft spielt, während dieser Zeit die
Ehrenmitgliedschaft verliert. Diese Massnahme soll nun einem
Ehrenmitglied schriftlich mitgeteilt werden. Sie löst in der
Gesellschaft eine heftige Diskussion aus. An einer Vorstandssitzung
stellt der Präsident fest, dass die häufigen Platzkonzerte zu einer
empfindlichen Störung der Proben geworden sind. Hingegen wird das
zweitägige Waldfest mit der Bemerkung versehen: «Der Anlass war dazu
angetan, bei der Bevölkerung für unsere Volksmusik zu werben, und auch
unserer Kasse einen ordentlichen Zuschuss zu geben». Von der dreitägigen
Italienreise wird nur das schöne Wetter festgehalten
1953
Der Dirigent ist
neben dem Präsidenten der wichtigste Mann einer Musikgesellschaft. Sein
Können, seine Person, sein Umgang bei heiklen Situationen, sein
Verhalten bei den Proben sind oft von entscheidender Bedeutung für den
Geist, für die Kameradschaft und den musikalischen Stand einer
Musikgesellschaft. Seine Geduld wird an den Proben oft auf die Probe
gestellt. Es sei deshalb erlaubt, dem gegenwärtig amtierenden Dirigenten
Fritz Felber einige Zeilen zu widmen. Schon sein Vater, Walter Felber,
war Mitglied der Musikgesellschaft Deitingen und 21 Jahre ihr tüchtiger
Direktor. Fritz Felber hielt am 4. März 1947 seine erste Probe mit der
Musikgesellschaft Deitingen. Über ihn und sein Wirken seien folgende
Niederschriften aus dem Protokoll des Jahres 1953 angeführt: 10, Januar.
Winterkonzert: Unter der bewährten vorzüglichen Leitung unseres
Dirigenten brachten wir Kompositionen zur Darbietung, die uns nicht nur
den Beifall unseres Laienpublikums, sondern auch eine gute Kritik der
anwesenden Musikkenner einbrachten. 7. Februar. GV: Der Präsident
verdankt dem Dirigenten mit einigen wohlverdienten Worten der
Anerkennung seine Stabführung im verflossenen Jahr. Er wird durch
Erheben von den Sitzen für ein weiteres Jahr wieder gewählt. Der
Dirigent verdankt seine Wiederwahl. Er erklärt aber auch, der
Probenbesuch sollte unbedingt besser sein: seit die Bussen abgeschafft
seien, wäre es noch schlimmer. 7. Juni: Wasserämter Musiktag in Etziken:
Vor allem die gute Stabführung unseres Dirigenten wurde gerühmt. 31.
August: Uniformeneinweihung in Inkwil: Unser Konzert wurde mit grossem
Beifall aufgenommen und wir durften erfahren, dass unsere Gesellschaft
unter der bewährten Stabführung von Fritz Felber ständig Fortschritte
macht.
1954
Schon Ende 1953 wurden Wünsche für eine neue Fahne laut. Verhandlungen
mit der Fahnenstickerei Siegrist in Langenthal werden getätigt und die
Firma unterbreitet drei Entwürfe. Der Auftrag wird beschlossen. Die neue
Fahne wird 1450 Fr. kosten. An der GV wird das Datum für die
Fahnenweihe auf den 26./27. Juni festgelegt. Ein Waldfest soll
mithelfen, möglichst viel Miteinwohner am Feste teilnehmen zu lassen.
Das ehrenvolle Amt des Fahnengötti übernimmt Hans Neuhaus,
Gemeindeammann, als Fahnengotte sagt Frau Anna Biberstein zu. Die
Festrede hält Kantonsrat Urs Galli. Die Konzerte des Vorabends
bestreitet die Musikgesellschaft Wangen a/A und eine Tanzkapelle. Es ist
ein schöner Abend und ebensolcher Besuch. Am Festtag wird das
Erscheinen der Patensektion Subingen mit viel Beifall bedacht. Am
Festzug und an musikalischen Darbietungen beteiligten sich die
Musikgesellschaften aus Etziken, Inkwil, Luterbach und Zuchwil. Kaum ist
der Festakt vollendet, fängt es an zu regnen und «alles strömte dem
Dorfe zu». Nur noch einige Wetterfeste blieben um aufzuräumen. Der
Aktuar fährt fort: «Wir wollen zufrieden sein und allen Gönnern, die uns
zu unserem schönen Banner verholfen haben, herzlich danken».
1955
Die Musikgesellschaft hat dieses Jahr 40 Mitglieder. Es ist ihr daran
gelegen, dass alle eine gute Uniform tragen können. Sie lässt vier alte
anpassen und bestellt vier neue. Notwendig ist eine Neuinstrumentierung.
Ein solches Vorhaben beschäftigt jede Musikgesellschaft während Monaten
und versetzt die Mitglieder in erwartungsvolle Spannung. Ein Komitee
lässt sich von drei Lieferanten die Angebote vorführen. An einer a.o.
Versammlung werden diese Instrumente vorgestellt, der Vorschlag des
Komitees bekanntgegeben und vom Gremium die endgültigen Entscheide
getroffen. Für die kleinen Instrumente, wie Bügel und Trompeten, wird
die Burgdorfer Firma Spada als Lieferant bestimmt; zur Lieferung der
grossen Instrumente, wie Hörner, Posaunen und Bässe, erhält die Firma
Krebs aus Biel den Auftrag. Der Voranschlag für die 34 Instrumente
beläuft sich auf 18000 Fr. Einige Mitglieder möchten noch mehr
bestellen. Die besten zehn der alten Instrumente werden für die
Jungbläser zurückbehalten, die restlichen von den Lieferfirmen
übernommen und verrechnet. Am 20. Dezember können die Bügelisten und
Trompeter ihre neuen Instrumente in Empfang nehmen. Die Finanzierung
bereitet etwelche Sorgen. Gönnerbriefe an Private werden verschickt. Ein
Vorschlag möchte bei möglichen Interessenten 250 Inhaberaktien zu 20
Fr. beliebt machen. Die Musikgesellschaft erhält überreichlich
Einladungen zu Tagungen und auswärtigen Vereinsanlässen. Die Zu- oder
Absage ist manchmal nicht leicht.
1956
Am 2. Februar können die Hornisten und Bassisten die neuen Instrumente
ansetzten. Die nachträglich und zusätzlich bestellten Trompeten und
Flügelhörner können auch in Empfang genommen werden. Die Frage der
Finanzierung ist nicht gelöst. Wieder wird der Verkauf von
Anteilscheinen beraten. Weitere Gönnerbriefe werden verschickt. Die
Versammlung beschliesst mit 21 zu 3 Stimmen, am Eidg. Musikfest in
Zürich 1957 teilzunehmen.
1957
Die Teilnahme an einem Eidgenössischen Musikfest ist für einen
Dorfverein ein ausserordentliches Fest. Deshalb sei hier diesem Anlass
Raum gegeben. Der Chronist berichtet folgendes: «Mit klingendem Spiel,
zuversichtlich und frohen Mutes, marschierten wir am Morgen früh vom
Schulhaus auf den Bahnhof. Wie die Schüler am Examenstage ins Schulhaus,
um ihr Erlerntes den Besuchern zu zeigen und das Zeugnis, die Noten, in
Empfang zu nehmen, so zogen wir nach Zürich, um das in vielen
Freistunden Erlernte den Festbesuchern zu Gehör zu bringen und die Noten
in Empfang zu nehmen. Und wie bei den Schülern tauchte auch bei uns
Musikanten ein klein wenig die Examensangst auf. In Zürich angelangt
wurden wir von einem Führer in Empfang genommen und zum Probelokal ins
Konservatorium geführt. Hier nahmen wir die letzten Instruktionen von
unserem Dirigenten entgegen. 11.11 Uhr traten wir zum Wettspiel an. Mit
dem Bewusstsein, eine rechte Leistung vollbracht zu haben, zogen wir in
die Festhalle zum gemeinsamen Mittagessen. 14.40 Uhr traten wir zur
Marschmusikkonkurrenz auf der Hohlstrasse an. Wie wir aus der
Zuschauermenge entnehmen konnten, hatten wir auch hier einen recht guten
Eindruck hinterlassen. Aufatmend, da nun die grösste Arbeit in Zürich
hinter uns war, traten wir zu einer Gesamtphoto an. Nun waren wir bis
zum Nachtessen frei. 19.45 Uhr absolvierten wir noch ein
Marschmusikkonzert vor der Kaserne, das uns mit grossem Applaus
quittiert wurde. Mit einem Schiff machten wir anschliessend eine
Rundfahrt auf dem Zürichsee, wo wir eine gemütliche Stunde miteinander
verbrachten. Am Sonntagmorgen, nach dem gemeinsamen Morgenessen, hatten
wir Gelegenheit, das Können anderer Musikgesellschaften anzuhören. 16.00
Uhr waren die Gesamtaufführungen auf dem Sihlhölzli und anschliessend
die Rangverkündigung. Eine grosse Freude und Überraschung war es für die
Musikanten, als der Fähnrich mit der goldlorbeer-geschmückten Fahne zu
uns zurückkehrte. Gar mancher konnte die Freudentränen nicht
zurückhalten. Das war der Lohn für viele aufopfernde Probenstunden. Nun
konnten wir mit Stolz in unser Dorf zurückkehren. Vorzüglich in allen
Disziplinen, eine bessere Auszeichnung hätten wir in Zürich nicht
erreichen können. Eine zweite grosse Überraschung erreichte uns
Musikanten am Bahnhof in Deitingen. Fast die ganze Dorfbevölkerung stand
am Bahnhof zum Empfang ihrer Musikanten. Mit Kanonenschüssen wurde
angezeigt, dass wir in Deitingen angekommen waren. Sämtliche Banner
unserer Dorfvereine sowie das der Musikgesellschaft Subingen begrüssten
unsere kranzgeschmückte Fahne. Unser Dirigent, dem wohl unser Erfolg in
Zürich zu verdanken war, wurde mit Blumensträussen beehrt. Die
Dorfbevölkerung bereitete uns Musikanten einen Empfang, den wir in
unserem Leben bestimmt nie vergessen werden. Mit einem Umzug durchs Dorf
gings unserem Lokal, dem Restaurant zum «Kreuz» zu, wo unser grosser
Erfolg noch gebührend gefeiert wurde. Gar manches Glückwunschtelegramm,
sowie Spenden und Geschenke konnten noch bekannt gegeben werden».
1958
Josef Biberstein wird nach 12 Jahren im Amt als Präsident ersetzt durch
Walter Galli. Die Timpani sind eingetroffen und die nichtversilberten
Instrumente werden durch die Firma Krebs nachversilbert. Nachdem letztes
Jahr die Einwohnergemeinde das neue Schulhaus Zweien mit einem Dorffest
eingeweiht hatte, wobei die Musikgesellschaft im festlichen Umzug mit
Marschmusik den Takt angab, kann dieses Jahr die Bürgergemeinde ihr
neues Waldhaus einweihen. Wenig erfreut sind die Musikanten, dass sie
das bisherige Übungslokal nicht mehr benützen können, denn das alte
Schulhaus wird total renoviert. Die Proben finden nun im «Kreuz» statt.
1959
Im Jahr
1960 wird in Derendingen das Kantonale Musikfest abgehalten. Man könnte
meinen, die Teilnahme sei schon in Hinsicht auf die Nachbarschaft und
nach dem ausgezeichneten Abschneiden in Zürich eine
Selbstverständlichkeit. Auf jedes Hoch folgt früher oder später ein
Tief. Schon im Frühjahr wird im Vorstand der Probenbesuch bemängelt und
mehr Abwechslung verlangt. Im Herbst wird das belastende Thema an einer
ausserordentlichen Versammlung nochmals ausgiebig besprochen: es sei
keine Kameradschaft mehr, das ausgewählte Stück sei zu schwer, deshalb
sei vermehrtes Üben nötig und die Proben sollten abwechslungsreicher
sein. Der Besuch des Kantonalen wird beschlossen. Doch nach einem Monat
will der Dirigent «nichts mit dem Kantonalen Musikfest zu tun haben.
Denn mit einem solchen Probenbesuch sei es eine Schande». – Mit den
Fernbleibern wird gesprochen. Mit Erfolg, wie sich später zeigt. Die
Vereine können nun ihre Anlässe in der Turnhalle durchführen und auch in
eigener Regie wirten. Der Bau der Kücheneinrichtung gibt auch in der
Musikgesellschaft zu reden, denn im Oktober wird in der Turnhalle die
Kantonale Delegiertenversammlung abgehalten. Die Küche muss unbedingt
betriebsbereit sein. Alles «läuft organisatorisch einwandfrei ab». Der
Küchenchef erhält ungeteiltes Lob. – Eine Woche nachher umrahmt die
Musikgesellschaft die Fahnenweihe des kath. Kirchenchores am Nachmittag
mit Marschmusik und am Abend mit einem gediegenen Konzert.